|
Mit knallroten, waagerechten Zöpfen zur Probe
Husumer Nachrichten 7.Feb 2006
Der Wahlpflicht-Kurs „Plattdeutsches Theater“an der Schule
Viöl studierte „Pippi Langstrumpf“ ein. Vier Monate lang übten
die Viertklässer - dann wurde es ernst.
Viöl / hzl
Gyde ist völlig außer Atem. „Mir ist was ganz Schlimmes passiert
- ick hebb mine Schoh vergeeten...“ Na, das fängt ja gut an. Dabei
soll gleich hier, in der Aula der Schule Viöl, die Generalprobe
zu „Pippi Langstrumpf“ losgehen und Gyde ist die Hauptdarstellerin.
Dann muss Pippi eben strumpfsocks über die Bühne wirbeln...
Der Wahl-Pflichtkurs „Plattdeutsches Theater“ unter der Regie von Inke
Thomsen-Krüger bringt in diesem Schul-Halbjahr den Lindgren-Klassiker
„Pippi Langstrumpf“ auf die Bühne. Die Viertklässler haben
rund vier Monate geübt, bis die Rollen ordentlich in den Köpfen
verankert sind. Die Leistung, die mit einer Doppelstunde wöchentlich
erbracht wird, ist ganz beachtlich. Dankbar ist die Regiesseurin dem
„Plattdeutschen Verein“ und dem Schulverband Viöl, die gemeinsam
den Platt-Unterricht an der Viöler Schule finanzieren.
„Das Ganze ist fast ein Schulprojekt geworden“, schmunzelt Thomsen-Krüger.
Schüler aus der vierten Klasse haben Kulissen entworfen, die achten
und neunten haben im „Technischen Werken“ das Logo sowie eine hölzerne
„Villa Kunterbunt“ gefertigt, und Hausmeister Paul Knudsen war für
den Rahmenbau zuständig. Auswärtige wurden auch eingespannt.
Die „Jungen Lüüd ut Löwenstedt“ sorgen für Beleuchtung,
und die Requisiten-Treppe hat Gemeindearbeiter Thomas Jensen mit Helfern
gebaut.
Eine Generalprobe, die Vorstufe zum „blutigen Ernst“, hat schon was
Prickelndes an sich. Swantje hat eine Doppelrolle und soll den „starken
Adolf“ und „Käpt’n Langstrumpf“ spielen. Sie zupft nervös
an ihrer Perücke: „Seh‘ ich gut aus?“ Kim ist für die Figur
der „Annika“ vorgesehen. „Ich habe sooo viel gelernt - ich kann alles
auswendig“, verkündet sie stolz. Gyde windet sich in ihre bunten
Pippi-Klamotten und rollt die Strümpfe über die Knie. Sie
sei auf dem Weg zur Probe wegen ihrer Zöpfe „richtig komisch angeguckt“
worden. Die stehen - wie bei Pippi - waagrecht vom Kopf ab und sind
knallrot. „Da sind Pfeifenreiniger drin“, verrät sie und würde
das Haar „am liebsten immer so tragen“. Am besten findet sie, dass „Pippi
immer so tut, als meine sie alles ernst“- doch auf der Bühne verrät
sie: „In min Buuk blubbert so veel Tünkrom...“
Allround-Talent ist gefragt. Es heißt, fix beim Bühnen-Umbau
anzupacken und anschließend eine kleinkarierte Frau Prysselius
(Rewenda), ein marktschreierischer Schausteller (Casandra) oder „Larsson“
(Annika) zu sein. Johannes wird zum Freund Thomas und Claudia ist einer
der schrägen Vögel, die zu Pippi nachts, „wenn se in de Puch
liggt“, „up Besöök“ kommen, um zu gucken, ob nicht an ihre
Kiste mit den Gold-Dollars zu gelangen ist. Und wenn Pippi sich anschickt,
sich „in de Puch“ zu begeben, ist es ziemlich egal, dass sie das lange,
weiße Großvater-Nachthemd versehentlich verkehrt herum angezogen
hat - Hauptsache allen ist klar, dass das Bettzeug „in der großen
Haferkiste“ auf der Bühne verstaut ist, in der viele Requisiten
lagern. Inke Thomsen-Krüger: „Mehrere Haushalte sind für die
Kiste geplündert worden.“
Nach der Generalprobe blieb nicht viel Zeit, denn schon am Sonntag
wurde es in Behrendorf, beim „Plattdeutschen Verein“ ernst. Pippi und
ihre „Mannen“ hielten, was die lustige Story um das unbekümmerte
Mädchen mit den roten „Drahtzöpfen“ verspricht: Amüsant,
kurzweilig und liebenswert. Am 16. Februar geht „Pippi“ als Schulaufführung
in Viöl über die Bühne. Eine weitere „Pippi“-Vorstellung
ist geplant, steht aber terminlich noch nicht fest.
Weitere
Artikel 23.Jan 2006 7.Feb 2006 13.März 2006 19.Apr 2006 11.Mai 2006
|