Azubi-Börse wieder ein Erfolg

Husumer Nachrichten 5.Mai 2009 Mildstedt / hem


– Handwerker kritisieren Schreibvermögen der Schulabgänger

Bewährt und doch anders als in den Vorjahren – so präsentierte sich die Azubi-Börse in der Regionalschule. Die Fäden in der Hand hatte diesmal Andreas Emmel vom Vorstand des HGV Mildstedt-Simonsberg-Südermarsch. Zur Begrüßung ließ er neben netten Worten auch einige sehr kritische Anmerkungen einfließen:

„Es war für mich nicht immer einfach, die Schrift auf den Teilnahmebögen zu entziffern. Eine einwandfreie Handschrift, die deutsche Rechtschreibung und die Grundrechenarten sollte jeder Schüler in eurem Alter beherrschen – und nicht nur davon gehört haben.“

Die Gruppenaufteilung erfolgte den Wünschen der 48 teilnehmenden Schüler entsprechend. Insgesamt zwölf Ausbildungsbetriebe beteiligten sich und hatten ihr Domizil in den einzelnen Klassenräumen bezogen. Auf der Themenliste dabei: Berufe aus Handwerk, Gastronomie, Gesundheit und Pflege, Büro und Verwaltung, Gestaltung und Werbung. Angeboten wurden Bewerbungsgespräche, die Durchführung eines Eignungstests, Outfit-Styling („wie hole ich das Beste aus meinem Typ raus“). „Wir möchten die Schüler über Rechte und Pflichten von Auszubildenden informieren“, unterstrich Andreas Emmel, „möchten ihnen zugleich die Wichtigkeit einer fundierten Schulausbildung näher bringen.“ Neben den Firmen beteiligte sich auch das LKN (Landesamt für Küste und Natur), vertreten durch Alfred Wittern.

Als Beobachterin nahm die Vorsitzende des HGV Rantrum-Oldersbek, Karin Harmsen, an dieser Börse teil. Zu den weiteren Beobachtern zählten der stellvertretende Schulleiter Hans-Hermann Holm, die Klassenlehrer Ulf Westphal, Christen Hingst und Frauke Weißhaar. Anzupacken gab es überall. Hans und Cordula Nissen vom Hauspflegedienst Nissen hatten nicht nur ein Pflegebett in die Zimmermitte geschoben, sondern dort hinein den Patienten „Klaus-Bärbel Furchtbar“ platziert – jene Puppe von menschlicher Größe, die auch bei den Erste-Hilfe Lehrgängen zum Einsatz kommt.

Auf dem Flur tauschten Cersa (13) und Sandra (14) aus der Klasse 8a ihre Eindrücke vom soeben absolvierten Eignungstest aus. „Das war schon alles okay so“, berichtete Cersa, „etwas kurz waren allerdings die dafür zur Verfügung stehenden sieben Minuten. Im Übrigen sei das der Test, den er als Unternehmer immer durchführe, sagte Emmel, „und wer die Aufgaben nicht ordentlich erledigen kann, der kann auch nicht ordentlich einkaufen gehen“. Trotzdem fiel allen ein Stein vom Herzen, als der Unternehmer versicherte: „Kontrollieren will ich nicht, die Bögen dürft ihr behalten – und die Lösungen stehen auf der umgeklappten Tafel.“

In Deutsch und Mathe setzt er die Noten eins und zwei voraus – und betonte: „Sonst schafft ihr die Berufsschule nicht.“ Am Ende des Flures – vorbei an Nosüpa, AGZ-Motorwelt aus Ramstedt, der mobilen Kosmetik von Ute Petersen, der Umlandt-Werbung, Kirchspielskrug und Provinzial-Versicherung – erklang lautes Gehämmer. Die Firma Otto Siewert hatte Dachdeckermeister Dirk Höpfner geschickt. Und er informierte nicht nur über das breitgefächerte Tätigkeitsfeld, sondern ließ die Schüler auch selbst hämmern. Der stellvertretende Schulleiter ist auf jeden Fall zufrieden: „Ich lege persönlich viel Wert darauf, dass so etwas in unserer Schule angeboten wird.“